Es ist Weihnachten! Das Fest des neu geborenen Lebens ist für Christinnen und Christen rund um den Globus, wie auch für Eckhart, von zentraler Bedeutung. Es macht das Wunder des Lebens, seine heilige Dimension offenbar.

Mittlerweile haben wir uns an die veränderte Lebensweise mit den Kontaktbeschränkungen angepasst. Obwohl es schmerzt, nicht mit allen Lieben der Familie und mit Freunden zusammensein zu können, ist andererseits mehr Zeit für die Kernfamilie und zum Nachdenken. Buchhandlungen und -versand machten vor Weihnachten Rekordumsätze. Die Gottesdienste waren sehr stimmungsvoll, voller Ruhe und Spannung – auch viel Offenheit und Staunen waren dabei, wo sonst beim Krippenspiel machmal fast Partystimmung herrschte. Die Melodien der Lieder nahm ich trotz Singverbot bewußter wahr und das Beten war intensiver. Es wurde an die Vielen gedacht, die jetzt nicht bei uns sein konnten oder auch sehr gefordert sind und die wichtigsten Bereiche der Gesellschaft, die Versorgung, die medizinische Behandlung in den Krankenhäusern, den Betrieb auf den Intensivstationen und in der Pflege aufrecht halten.

Weihnachten ist die Geburt des neuen Lebens in Gott. Der Mensch ist zusammen mit der ganzen Schöpfung dazu berufen, in die Ganzheit der Liebe und die Gemeinschaft mit Gott zurückzukehren. Das neue Leben beginnt mit einem neuen zur-Welt-kommen, und gleichzeitig einem Zurückgebähren in Gottes Liebe. Mit der Geburt des Gotteskindes wird die Gotteskindschaft aller Menschen als Schwestern und Brüder Jesu offenbar. Das Leben wird geheiligt. Nach Eckhart muss der Versuch, Gottes Willen im Leben zu erfüllen, um damit Gnade und Frieden für sich zu erlangen, scheitern. Vielmehr geht es um den Rückzug des Menschen aus seiner indivi- duellen Identität im reinen Unwissen, wo Gott ist und in das er eingeht. Ausgehend von der „Unheimlichkeit“ (wörtlich „nicht zu Hause“), ist es Eckharts Bestreben, wieder zur Verbindung und „Vereinigung“ = „Ver-heim-lichung“ des Menschen mit bzw. bei Gott zu gelangen.